Archiv für Juli 27th, 2009

Autoaggressives Verhalten beim Hund

Am Freitag telefonierte ich mit einer Kundin, die vor ca. 2 Monaten wegen ihres leinenaggressiven Schäferhund-Riesenschnauzermischlings namens Lucky zu mir kam. Der Bursche ist schon 12 Jahre alt und erst 1 Jahre bei ihr. Über die Vergangenheit des Hundes weiß man nicht all zu viel. Wirklich positiv kann sie aber nicht gewesen sein, da der Hund viele Eigenschaften mitbringt, die auf ein doch eher schlechtes Leben hinweisen.

Vor lauter Stress die Pfote blutig geleckt

Um aber auf die Überschrift zurückzukommen: Wir telefonierten eigentlich wegen einer Zusammenführung zwischen Lucky und einem anderen unserer Schützlinge, bezüglich eines möglichen Urlaubsaufenthalts bei uns und während des Gesprächs erzählte sie, dass Lucky seine Pfote blutig leckt. Ich fragte sie, seit wann er das tut. Sie meinte dass er dies seit ca. 2 Wochen machte. Sie verband die Pfote eben, wenn er es nicht lassen konnte und machte sich anfangs keine Gedanken darüber. Manchmal ermahnte sie ihn auch und dann lies er für einen Moment davon ab um dann wieder damit zu beginnen. Ich dachte sofort an autoaggressives Verhalten, also an eine Aggression die sich, wie in diesem Fall, gegen den Hund selber richtet. Die Ursachen können folgende sein: traumatische Erlebnisse, tiefe Einschnitte in das soziale Gefüge, Unterbeschäftigung und chronischer Stress.

Es stellte sich dann bei der Analyse heraus, dass die Besitzerin ca. 1 1/2 Wochen nicht richtig für Lucky da war und er zum Freund oder zu den Eltern gebracht wurde, obendrauf war er total unausgelastet und das führt bei Lucky zu extremen Stress und somit auch zu autoaggressivem Verhalten. Es kann natürlich sein, dass er das auch schon früher mal hatte und es sich eben durch das neue zu Hause und die anfänglich starke Fokussierung auf den Hund und damit verbundene Aufmerksamkeit nicht gezeigt hat.

Verhalten ändern mit geistiger Auslastung

Der erste Schritt ist ab sofort, dass er jedes Mal wenn er wieder leckt ohne einen Ton die Halskrause rumbekommt und nachts auch solange damit schlafen muss, bis eine Besserung eintritt, die Krause wird dann auch Schritt für Schritt gekürzt, denn Lucky soll die Halskrause ja nicht ewig tragen. Um die Besserung zu erreichen, müssen Nebenmaßnahmen getroffen werden, damit wir das Verhalten positiv umlenken. Das bedeutet im Klartext: Den Hund nur in äußersten Notfällen zum Freund oder zu den Eltern. In seinem Fall wäre es wahrscheinlich am besten nur zu einer dieser zwei Möglichkeiten. Nicht zu vergessen ist aber die geistige Auslastung. Ich möchte noch erwähnen, dass Lucky einen schweren Hüftschaden hat und somit körperlich kaum ausgelastet werden kann. Somit lautet die Devise, Denksport wie z.B. Suchspiele und Konzentrationsübungen. Das hat die Kundin leider ein wenig schleifen lassen, denn besprochen und anfänglich auch motiviert durchgeführt war das schon.

Wie aber jeder von uns weiß, frisst uns der Alltag manchmal auf und unsere Hunde kommen zu kurz. Wir sollten daher umso mehr darauf achten, dass wir jeden Tag für geistige Auslastung sorgen müssen. Das können 3×2 min. pro Tag Futtersuchspiel sein. Das ist für jeden machbar und für den Hund ist es wirklich wichtig.

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Inkonsequente Kommunikation

Als wir am Anfang des Trainings bzw. in der Analyse waren, stellte ich die Frage der Fragen: “Hört der Hund auf dich?” Die Antwort war: “Ja, meistens.”

Die Halterin war davon überzeugt, dass der Hund im Großen und Ganzen gut hört. Als wir dann unterwegs waren, fiel mir sofort auf, dass der Hund alles tut, außer das er ihr Gehör schenkt. Als ich ihr meine Sicht der Dinge schilderte, dass nämlich der Hund sie strickt ignoriert, sie begrenzt, maßregelt und die ganze Zeit eigene Entscheidungen trifft, konnte Sie das nicht ganz nachvollziehen. Daraufhin bot ich ihr an eine Videoanalyse zu machen, die wir dann im Anschluß zusammen anschauen und besprechen würden.

Das kam dabei raus…

Wie ihr sehen könnt, kümmert sich der Hund nicht wirklich um das was ihm gesagt wird. Er schaut überral hin, bloß nicht zu ihr. Er rempelt sie an (Maßregelung), schneidet ihr den Weg (Begrenzung) und wenn sie ihn von Weitem mit dem Befehl “Hier zu mir!” ruft, läuft er konsequent an ihr vorbei. Korrigiert wird er nicht. Ein gutes Beispiel für inkonsequentes Verhalten des Hundebesitzers. “Hier zu mir” bedeutet “hier zu mir”. Während die Anweisung ausgesprochen wird, zeigt der Finger auf den Boden unmittelbar vor die Füße. Der Hund rennt in genau diese Richtung und ändert kurz vor Ankunft den Zielort, in dem er an ihr vorbeiläuft (trifft eigene Entscheidung). Korrektur? Keine Spur! Der Hund merkt sich genau eines bei dieser ganzen Übung: Du gibst zwar Anweisungen, ich muß sie aber nicht befolgen. Wenn ich es hier nicht muß, dann muß ich es in einer anderen Situation auch nicht!! Der Einzige der hier wirklich konsequent ist, ist der Hund.

Warum Sie zu uns kam und welche Wendung es nahm, könnt ihr unter: http://diehundeversteher.de/referenzen-henrygonzo.htm nachlesen

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