Deutschen Schäferhunde sind aggressiv, Mythos oder Realität? TEIL 2

Februar 8th, 2010

Ihr erinnert euch an den aggressiven Schäferhund? Der, der sein Frauchen beißelte, verbellte und ansprang? Die Fellnase, die mit Menschen und Artgenossen nicht gerade freundlich war? Wie versprochen, möchte ich hier die Geschichte weitererzählen.

Den Hund verstehen und einschätzen lernen

Die Basis für jedes Hundetraining bildet das 1X1 hündischen Verhaltens. Im beschriebenen Fall war es wichtig, dass die Besitzer verstanden, dass ihr Schäferhund kein grundaggressiver, sondern ein eher nervöser und unsicherer Kerl mit großer Klappe war.

Hunde mit solchen Attributen, bergen ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotential für ihr Umfeld. In aller Regel sind unsichere Hunde schnell mit vielerlei  Situationen überfordert. Überlässt man diese sich selbst oder reagiert nicht angemessen, kann man auch von tickenden Zeitbomben sprechen.

Deswegen ist das verstehen der Körpersprache und des Verhaltens enorm wichtig. Denn nur wenn man seinen Hund lesen kann, ist man auch in der Lage klar und sicher zu „antworten“.

Sogenannte Angsthunde gehen in den meisten Fällen auf zwei unterschiedliche Arten mit ihrer Angst um. In Variante 1 ziehen sich die Hunde zurück und gehen aus schwierigen Situationen heraus, leider wird dieses Verhalten oft nicht erkannt, dies kann dann schnell zu Variante 2 führen, in welcher der Hund in angsteinflößenden Situationen nach vorn geht. Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“. Im Klartext: Der Hund schnappt oder beißt gar. Viele Hunde entscheiden sich direkt für Variante 2.

Rudel-Chef wider Willen

Unser Schäferhund gehört zur Variante 2.

Wir fassen also zusammen: Ein nervöser, unsicherer 40 kg Schäferhund, der angstaggressiv ist. Über Angstaggression haben wir hier auch schon gepostet. In unserem Fall haben wir die erschwerende Situation, dass der Hund in seinem Familienverband durch das Fehlverhalten und die Fehlinterpretationen seiner Menschen zwangsweise einen hohen Status erhält. In seinen Augen sind seine Menschen nicht in der Lage, ihm die Sicherheit zu geben, die er braucht. Er muss den Job also selber machen und genau hier entstehen die Probleme.

Wie soll ein ängstlicher, überforderter  Hund der schnell über die Maßen reagiert, einen Familienverband anleiten??

Klare Strukturen und Abläufe bringen Sicherheit

Das Training beginnt also genau hier. Klare Strukturen, gezielte Ritualisierung von Abläufen und entsprechende Verhaltensänderungen seitens der Hundebesitzer haben letztlich dazu geführt, dass die Fellnase im Haus aufgehört hat Frauchen und Herrchen ständig hinterher zu laufen, zu kontrollieren. Draußen, hat er aufgehört  sie zu „beißeln“, anzuspringen oder gar anzubellen, wenn ihm etwas nicht passt.

Frauchen durfte früher nicht mit Handschlag begrüßt werden, ohne das der Grüßende auf einmal einen Schäferhund am Arm hängen hatte – heute kein Problem mehr. Das Spiel mit Hunden ist mittlerweile weitgehend frei von Konflikten, selbst wenn Menschen dabei stehen und daran war ja früher gar nicht zu denken.

Wir sind auf jeden Fall auf dem richtigen Weg aber bis zum Ziel ist es noch ein Stück – wir berichten weiter.

Eure Hundeversteher, Bea und Massimo

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