Posts in der Kategorie 'Problemf(ä)elle'
Jedes Jahr lesen wir Zeitungstitel wie, “Kampfhund beißt Kind tot”, “Hund zerfleischt Kind” “Baby von Familienhund getötet” usw. Das schockiert uns alle und in vielen Schmierblättern wird sehr schnell die Keule rausgeholt und der Hund zur Tötungsmaschine ab degradiert – doch ist solch ein Hund wirklich aggressiv oder Verhaltensgestört? Wir plädieren für die Einzelbetrachtung solcher Fälle und sagen auch warum?

Hunde und Kinder
Kinder und Hunde ein immer wieder spannendes Thema, in unserer alltäglichen Trainerarbeit. Grundsätzlich raten wir allen Eltern, Kinder bis zu einem Alter von 7-8 nicht allein mit einem Hund zu lassen. Babys und Kleinkinder mit einem Hund ohne Aufsicht, auch wenn es der vertraute Familienhund ist, ist als grob fahrlässig zu betrachten.
Verschiedene Faktoren lassen Kinder bedrohlich auf Hunde wirken
Kinder, vor allem kleine Kinder bewegen sich meist grobmotorisch und ungelenk – auf den Punkt gesprochen: unberechenbar. Erwachsene Menschen hingegen, sind sehr koordiniert in ihrer Bewegung und für Hunde gut einzuschätzen, dass gibt Sicherheit. Kinder sind laut, schreien und nehmen einen hohen Stellenwert bei Mama und Papa (Herrchen und Frauchen) ein, also auch immer ein gewisser Wettbewerb, der zwischen Hund und Kind entsteht.
Verunsicherte Hunde sind oft überfordert
Beispiel 1: Ein Kind liegt in seinem Kinderwagen und schreit unentwegt. Der Hund wird mit der Situation allein gelassen. Jetzt gibt es sehr souveräne Hunde, die sich verziehen, weil sie ihre Ruhe haben wollen und auch ein Rückzugsort für den Hund geschaffen wurde. Es gibt aber auch Hunde, die solch eine Situation managen möchten/müssen, weil die Besitzer hier ihrer Pflicht als Halter und Umsorger (auch für den Hund) nicht nachkommen. Wenn ein Hund (vor allem unsichere Hunde) ein Verhalten nicht gut findet und der Mensch hier nicht regulierend eingreift, dann wird der Hund versuchen, der Lage Herr zu werden.
Maßregelung bei Hund findet ganz häufig über den sogenannten „Schnauzengriff“ statt. Der Hund nimmt das Maul des Anderen in seines und erreicht damit einen sofortigen Abbruch des unerwünschten Verhaltens. Versucht der Hund genau das bei einem Baby/Kind wird das Geschrei mit Sicherheit größer und lauter. Der Hund erlebt jetzt genau das Gegenteil von dem was er instinktiv weiß – jetzt kommt Frust hinzu, weil das gewünschte Ergebnis nicht eintritt – nämlich, dass das Baby/Kind ruhig ist und der Hund verstärkt somit sein Handeln.
Was das für das Baby/Kind bedeutet, möchten wir hier nicht ausschmücken, das kann man ja aktuell in der Zeitung lesen. Das Verhalten des Hundes ist also nicht unnormal sondern hündisch. (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.)
Beispiel 2: Kleinkinder im Alter von 2-3 Jahren, sind in ihrer ganzen Motorik noch sehr grob. Sie haben gerade laufen gelernt und sind im gesamten Erscheinungsbild eher unsicher auf den Beinen. Aus Hundesicht ist so ein strauchelndes Kind ein unberechenbares Ereignis. Souveräne als auch unsichere Hunde suchen auch hier in aller Regel das Weite und entziehen sich der Situation – wenn das möglich ist. Doch oft genug ist es das nicht. Der Hund wird mit der Situation allein gelassen und auch hier wird wieder Frust ausgelöst. Hinzu kommt, dass solch kleine Kinder meist ganz unbedarft auf Hunde zugehen. Am Schwanz und an den Ohren ziehen, in die Augen fassen usw. Souveräne Hunde, lassen das in aller Regel über sich ergehen, gehen aber, wenn Sie die Möglichkeit haben.
Das ein Hund in solch einer Situation nach einem Kind schnappt, ist letztlich nichts Unvorhersehbares, sondern eine logische Schlussfolgerung. Auch wenn das viele nicht hören möchten. Das heißt natürlich im Umkehrschluß nicht, dass jeder Hund der mit Kindern allein gelassen wird, beißt. Ganz im Gegenteil, es gibt viel mehr Fälle in denen es sehr gut geht. Darüber wird nur nicht gesprochen.
Natürlich spielen weitere Faktoren wie z.B. Dominanz, unklare Familienstrukturen usw. auch eine Rolle bei der Betrachtung solcher Fälle. Als Fazit lässt sich aber folgendes zusammen fassen:
Hunde sind keine Menschen. Sie können nicht sagen: „Mir ist das hier zu viel“ „das Kind ist so laut oder hat mir weh getan“ sie reagieren hündisch, wenn der Mensch nicht da ist und seiner Pflicht als Aufsichtsperson nachkommt.
Daher unser Apell: Liebe Eltern, lasst Eure Kinder nicht mit Euren Hunden allein, selbst wenn es der Liebste Hund auf diesem Planeten ist. Es kann immer etwas passieren.
Bei Fragen stehen wir Euch immer gern zur Verfügung.
Eure Bea und Euer Massimo
April 27th, 2010

Luna sucht ein neues Zuhause
Wir möchten mithelfen, der kleinen Luna ein neues Zuhause zu finden. Vielleicht suchen Sie gerade einen neuen Weggefährten – dann sollten Sie weiterlesen.
Luna ist ein junges Hundemädchen, die ein neues Zuhause sucht. Aus schlechten Verhältnissen gerettet, fand sie bei einer 5-köpfigen Familie Anschluss. Das ging auch bis jetzt gut. Der jüngste Sohn hat aber nun die Diagnose Bronchialasthma gestellt bekommen. Mit 2 Jahren stehen die Heilungschancen bei dieser Krankheit gut, solang alle Allergieauslöser minimiert werden.
Leider ist Luna ein starker Auslöser und kann deshalb nicht länger in ihrer Familie bleiben.
Luna´s Vorstellung
Luna ist eine aufgeweckte kleine Hündin (Pekinese-Chihuahua-Mix). Sie liebt Menschen kann aber anfangs etwas unsicher bei fremden Männer sein – das legt sich aber schnell. Sie kennt alle Befehle, ist zu 80% abrufbar und kann nach einer Eingewöhnungszeit ca. 2h allein bleiben. Längeres allein sein muss noch geübt werden. Für Luna wäre es optimal, wenn sie in einen ruhigeren Haushalt kommt, gern auch als Zweithund. Sie kommt zwar gut mit Kindern klar, aber am Besten wären Kinder ab 10 Jahre, die sind nicht mehr so zappelig.
Sie ist geimpft, gechipt aber nicht kastriert.

Luna Pekinese-Chiuahua-Mix

Wenn Sie interessiert sind, können Sie sich gern mit uns unter poetzsch[at]diehundeversteher.de in Verbindung setzen.
Eure Bea und Euer Massimo
April 3rd, 2010
Wie lange kann man einen Hund eigentlich allein lassen? Kann ich einen Hund überhaupt einfach so allein lassen? Was zu beachten ist und wie man es für den Hund erträglich macht, wollen wir hier auf mehrfache Bitten, diskutieren.
Wenn wir hören, dass Hunde teilweise bis zu acht Stunden am Tag allein sind, können wir es oft nicht glauben. Im näheren Gespräch mit den Besitzern, wird dann schnell klar, dass den Haltern oft nicht klar ist, was das für einen Hund bedeutet.
Ein Hund ist ein Rudeltier
Hunde sind Rudeltiere. Im Rudel fühlen sie sich sicher und vor allem dient das Rudelmiteinander dem Überleben - aus Hundesicht. Daher ist es aus Hundesicht überhaupt nicht normal, von uns Menschen – von seinem Rudel – getrennt zu sein. Damit sind wir beim ersten Punkt: Ein Hund muss lernen, allein zu bleiben. Er muss lernen, darauf zu vertrauen, dass seine Menschen wieder zurück kommen. Wenn man das einem Hund nicht beibringt, kommt es in vielen Fällen zu Problemen.
Der Hund als Zerstörer
Viele Hundehalter kennen folgendes Bild, wenn sie nach Hause kommen: Ein völlig aufgelöster Hund der sich vor lauter Freude am liebsten zerteilen möchte, weil seine Menschen endlich wieder da sind. Auf den zweiten Blick, überall verteilte, in Kleinstteile gerissene Taschentücher, zerbissene Schuhe, Klamotten usw. Das sind meist die Hunde mit Verlustängsten. Sie verteilen Dinge in der Wohnung, an denen der Menschengeruch haftet. Der damit in der ganzen Wohnung verteilte Duft, gibt den Hunden Sicherheit. Diese Hunde jaulen und bellen auch gern stundenlang und möchten so ihr Rudel zusammenrufen.
Natürlich gibt es auch Hunde, die die Wohnungseinrichtung auseinander nehmen und wirklich wüten. Hier kann man von Kontrollverlust und daraus entstandenem Frust sprechen. In Beiden Fällen haben die Hunde nicht wirklich gelernt, dass allein bleiben völlig in Ordnung ist und der Mensch wieder kommt. Um heraus zu finden, ob es um eine Verlustangst oder um einen Kontrollverlust geht, sollten sie einen fachkundigen Trainer hinzu ziehen. Denn die Trainingsmaßnahmen sehen in beiden Fällen ganz unterschiedlich aus.
Wie viel Stunden darf man einen Hund allein lassen?
Im besten Fall ist der Hund natürlich nicht allein und darf seine Menschen so oft es geht begleiten. Grundsätzlich finden wir es in Ordnung wenn der Hund vier bis max. fünf Stunden allein ist. Wichtig ist es aber, dass der Hund vor dem allein bleiben ausgiebig raus durfte und beschäftigt wurde z.B. mit Kopfarbeit, wie Futtersuchspielen oder ähnlichen. Denn ist der Hund ausgelastet, ist er entspannter, wenn er allein ist.
Einen Hund acht Stunden allein zu lassen und das auch noch regelmäßig, ist unserer Meinung nach Tierquälerei. Absolut unzumutbar und es widerspricht dem hündischen Dasein in jeglicher Hinsicht! Hier sollte ernsthaft überlegt werden, ob man einen Gassiservice engagiert oder den Hund in Hände gibt, die ihm gerecht werden können.
Verabschiedungsritual und Begrüßung
Umso weniger Aufhebens um das “allein bleiben” gemacht wird, umso besser für den Hund. Das gilt für das Weggehen und ebenso für das Zurückkommen. Gerade wenn wir Menschen zurückkommen finden wir es super, wenn uns der Hund freudig begrüßt. Doch umso mehr Tamtam wir veranstalten, umso höher ist die Erwartungshaltung des Hundes in der Zeit in der er allein ist. Der Hund ist stundenlang in einer hohen Erwartung, denn er darf hoffentlich schon bald Herrchen und Frauchen begrüßen. Sie können sich sicher vorstellen, dass dieser Zustand der pure Stress für den Hund ist.
Wenn Sie Ihrem Hund das „allein bleiben“ so einfach wie möglich machen möchte, gehen Sie aus dem Haus ohne ihn zu beachten und wenn Sie nach Hause kommen, ignorieren Sie ihn solange, bis er sich irgendwann ablegt und wirklich entspannt. Das wird anfangs etwas länger dauern, wir versprechen Ihnen aber aus eigener Erfahrung, dass es schnell besser wird und Ihr Hund merklich entspannter ist.
p.s.: Ignorieren bedeutet: Nicht anfassen! Nicht ansprechen! Nicht anschauen!
Wenn Sie mehr wissen möchten, können Sie uns gern unter info[at]diehundeversteher.de anschreiben.
Eure Bea und Euer Massimo
März 14th, 2010
Ihr erinnert euch an den aggressiven Schäferhund? Der, der sein Frauchen beißelte, verbellte und ansprang? Die Fellnase, die mit Menschen und Artgenossen nicht gerade freundlich war? Wie versprochen, möchte ich hier die Geschichte weitererzählen.
Den Hund verstehen und einschätzen lernen
Die Basis für jedes Hundetraining bildet das 1X1 hündischen Verhaltens. Im beschriebenen Fall war es wichtig, dass die Besitzer verstanden, dass ihr Schäferhund kein grundaggressiver, sondern ein eher nervöser und unsicherer Kerl mit großer Klappe war.
Hunde mit solchen Attributen, bergen ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotential für ihr Umfeld. In aller Regel sind unsichere Hunde schnell mit vielerlei Situationen überfordert. Überlässt man diese sich selbst oder reagiert nicht angemessen, kann man auch von tickenden Zeitbomben sprechen.
Deswegen ist das verstehen der Körpersprache und des Verhaltens enorm wichtig. Denn nur wenn man seinen Hund lesen kann, ist man auch in der Lage klar und sicher zu „antworten“.
Sogenannte Angsthunde gehen in den meisten Fällen auf zwei unterschiedliche Arten mit ihrer Angst um. In Variante 1 ziehen sich die Hunde zurück und gehen aus schwierigen Situationen heraus, leider wird dieses Verhalten oft nicht erkannt, dies kann dann schnell zu Variante 2 führen, in welcher der Hund in angsteinflößenden Situationen nach vorn geht. Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“. Im Klartext: Der Hund schnappt oder beißt gar. Viele Hunde entscheiden sich direkt für Variante 2.
Rudel-Chef wider Willen
Unser Schäferhund gehört zur Variante 2.
Wir fassen also zusammen: Ein nervöser, unsicherer 40 kg Schäferhund, der angstaggressiv ist. Über Angstaggression haben wir hier auch schon gepostet. In unserem Fall haben wir die erschwerende Situation, dass der Hund in seinem Familienverband durch das Fehlverhalten und die Fehlinterpretationen seiner Menschen zwangsweise einen hohen Status erhält. In seinen Augen sind seine Menschen nicht in der Lage, ihm die Sicherheit zu geben, die er braucht. Er muss den Job also selber machen und genau hier entstehen die Probleme.
Wie soll ein ängstlicher, überforderter Hund der schnell über die Maßen reagiert, einen Familienverband anleiten??
Klare Strukturen und Abläufe bringen Sicherheit
Das Training beginnt also genau hier. Klare Strukturen, gezielte Ritualisierung von Abläufen und entsprechende Verhaltensänderungen seitens der Hundebesitzer haben letztlich dazu geführt, dass die Fellnase im Haus aufgehört hat Frauchen und Herrchen ständig hinterher zu laufen, zu kontrollieren. Draußen, hat er aufgehört sie zu „beißeln“, anzuspringen oder gar anzubellen, wenn ihm etwas nicht passt.
Frauchen durfte früher nicht mit Handschlag begrüßt werden, ohne das der Grüßende auf einmal einen Schäferhund am Arm hängen hatte – heute kein Problem mehr. Das Spiel mit Hunden ist mittlerweile weitgehend frei von Konflikten, selbst wenn Menschen dabei stehen und daran war ja früher gar nicht zu denken.
Wir sind auf jeden Fall auf dem richtigen Weg aber bis zum Ziel ist es noch ein Stück – wir berichten weiter.
Eure Hundeversteher, Bea und Massimo
Februar 8th, 2010
Es ist leider nicht von der Hand zu weisen, das Deutsche Schäferhunde (DSH) diejenigen sind die am häufigsten beißen. Als ein Beispiel nehme ich das Bundesland Hessen, dessen “Meldebogen gemäß Erlass des Hessischen Ministerium des Innern” dies belegt. Hierzu wurden sämtliche Beißattacken aller Rassen im Zeitraum vom 01.01.2004 bis zu 31.12.2007 dokumentiert. Warum der DSH, der nicht zu den Listenhunden gehört, der “Beißchampions” ist, lässt sich nur schwer herausfinden…..vielleicht ist es aber auch gar nicht so schwer, wir werden sehen…
Seit 3 Wochen betreue ich eine Familie die seit ca. 3 Monaten einen Schäferhund-Mix aus dem Tierheim hat. Im telefonischen Erstgespräch, erzählte mir die Frau, dass der Hund nach Personen schnappen würde, unter anderem auch nach ihren erwachsenen Söhnen. Diese leben nicht mehr Zuhause und kommen nur am Wochenende. Zudem sei er auch gegenüber seinen Artgenossen aggressiv. Leinenaggressivität sei ebenso an der Tagesordnung. Da in solch einem Fall dringender Handlungsbedarf besteht, vereinbarten wir kurzfristig einen Termin.
Wenn ich keine Aufmerksamkeit bekomme wird’s laut
Wir verlegten die erste Begegnung auf die Straße, außerhalb des Territoriums des Hundes. Für den ersten Eindruck ließ ich Sie mit dem Hund an mir vorbei laufen, während dessen fixierte ich den Hund. Die Reaktion war…..keine! Soweit, so gut.
Mit einem Sicherheitsabstand von ca. 2 m, fingen wir an uns über die Problematiken zu unterhalten. Schnell langweilte sich die Fellnase und quittierte dies mit lauthalsem Bellen. Zudem zog er an der Leine hin und her um seinen Unmut zu untermauern, Ihre Reaktion auf das bellen sah folgendermaßen aus: Sie sagt: “Aus!”, er bellt. Sie sagt: “Nein!”, er bellt weiter. Sie sagt: “Sitz!”, er setzt sich hin, bellt weiter und steht wieder auf.
Ein Schäferhund hat Hosen an
Ich schritt ein und bat Sie darum, sich einfach demonstrativ weg zu drehen und den Hund zu ignorieren. Das missfiel dem jungen Mann total, dass Bellen wurde schlagartig lauter und im nächsten Schritt fängt er an die Frau in den Unterarm zu „beißeln“.
Um das Repertoire auszuschöpfen springt er Frauchen jetzt auch noch an um doch noch die Aufmerksamkeit zu ergattern, die dem „vermeintlichen Chef“ zusteht.
Sie kommentierte das ganze mit folgendem Satz: “So ist es immer wenn ich irgendwo stehe und mich unterhalte, er will weiterlaufen.” Okay – da wird der Hundetrainer hellhörig! Ich wies Sie darauf hin, dass ihr Hund sie gerade maßregelt. Sie bekam große Augen den offensichtlich hatte Sie das so noch nicht gesehen.
Ein riesiger Berg Arbeit wartete hier, dass war mit klar – ob das auch den Besitzern so klar ist, wird sich zeigen.
Fortsetzung folgt.
www.diehundeversteher.de
Oktober 28th, 2009
Angstaggression kann sich in vielen Formen zeigen. Wichtig ist, sie zu erkennen um optimal darauf eingehen zu können. Durch die konsequente Führung eines ängstlichen Hundes kann man ihm durch seine Angstwelt helfen.
Diesen August haben wir einige Urlaubshunde bei uns. Jeder Hund der zu uns kommt, wird sofort in das interne Regelwerk eingeführt sonst klappt das auf Dauer nicht und endet im Chaos. Bei uns sieht das so aus, dass die Hunde in der Wohnung nicht spielen sondern ruhen sollen (Ausnahmen bestätigen die Regel) und draußen durch ausgiebige Spaziergänge und Übungen beschäftigt werden. Diese geregelten Abläufe geben unseren Urlaubshunden in kurzer Zeit sehr viel Sicherheit und vermindern so den Wehmut nach Frauchen und Herrchen.
Natürlich braucht ein Hund auch in seinem eigenen „Rudelverband“ klare Regeln. Umso klarer die Regeln und Tagesstrukturen umso mehr Sicherheit bekommt ein Hund. Man kann es auch als roten Faden beschreiben an dem sich der Hund orientieren kann.
Eine unsichere Hündin macht bei uns Urlaub
Aktuell haben wir eine Urlaubshündin da, der diese Strukturen etwas fehlen, erschwerend kommt hinzu, dass die Besitzer auch nicht immer einer Meinung sind. Das ist für die Hündin, die von Natur aus nicht so sicher ist, natürlich suboptimal.
Jetzt gibt es Hunde, die in solch einer Situation zurückgezogen reagieren. Wenig auffallen, still und leise sind und jedem Stress aus dem Weg gehen. Bei besagtem Urlaubshund, sieht das aber leider so aus, dass sie nach dem Motto „Angriff ist die Beste Verteidigung“ verfährt. Zudem ist sie extrem frustriert da ihr Verhalten nicht das gewünschte Ergebnis erzielt. Denn andere Hunde erkennen sofort, dass sie nicht souverän agiert und zeigen ihr das klar und deutlich. Ein Teufelskreislauf entsteht.
Unsere Erfahrung zeigt, dass man solch unsichere Hunde möglichst viel anleiten muss. Jede Hundebegegnung will gemanagt sein und jede andere Situation in der die Hündin unsicher ist und unsere Hilfe sucht. Und Hunde zeigen uns sehr deutlich, wenn wir ihnen helfen sollen. Sie stellen sich hinter uns sind um uns wenn es zu viele andere Hunde sind, usw. Gehe ich als „Rudelobrigkeit“ darauf nicht ein und lassen den Hund mit der Situation allein, wird das Vertrauen in Mitleidenschaft gezogen.
Fazit: Hunde brauchen Führung - aber individuell
Umso mehr wir diese Hunde also durch die Umwelt führen, desto größer wird das Vertrauen. Wenn unsere Hunde merken, dass wir die Situationen in Griff haben, müssen sie nicht mehr angreifen oder selber anderweitig selbst reagieren.
Sie ist jetzt den 5. Tag da und darf mittlerweile ohne Leine laufen. Sicher gibt es noch die ein oder andere Situation in der man sie auch in ihre Schranken weisen muss aber meistens ist es so, dass unsichere Hunde froh sind, Verantwortung abzugeben – so auch unser Urlaubshund.
August 12th, 2009
Am Freitag telefonierte ich mit einer Kundin, die vor ca. 2 Monaten wegen ihres leinenaggressiven Schäferhund-Riesenschnauzermischlings namens Lucky zu mir kam. Der Bursche ist schon 12 Jahre alt und erst 1 Jahre bei ihr. Über die Vergangenheit des Hundes weiß man nicht all zu viel. Wirklich positiv kann sie aber nicht gewesen sein, da der Hund viele Eigenschaften mitbringt, die auf ein doch eher schlechtes Leben hinweisen.
Vor lauter Stress die Pfote blutig geleckt
Um aber auf die Überschrift zurückzukommen: Wir telefonierten eigentlich wegen einer Zusammenführung zwischen Lucky und einem anderen unserer Schützlinge, bezüglich eines möglichen Urlaubsaufenthalts bei uns und während des Gesprächs erzählte sie, dass Lucky seine Pfote blutig leckt. Ich fragte sie, seit wann er das tut. Sie meinte dass er dies seit ca. 2 Wochen machte. Sie verband die Pfote eben, wenn er es nicht lassen konnte und machte sich anfangs keine Gedanken darüber. Manchmal ermahnte sie ihn auch und dann lies er für einen Moment davon ab um dann wieder damit zu beginnen. Ich dachte sofort an autoaggressives Verhalten, also an eine Aggression die sich, wie in diesem Fall, gegen den Hund selber richtet. Die Ursachen können folgende sein: traumatische Erlebnisse, tiefe Einschnitte in das soziale Gefüge, Unterbeschäftigung und chronischer Stress.
Es stellte sich dann bei der Analyse heraus, dass die Besitzerin ca. 1 1/2 Wochen nicht richtig für Lucky da war und er zum Freund oder zu den Eltern gebracht wurde, obendrauf war er total unausgelastet und das führt bei Lucky zu extremen Stress und somit auch zu autoaggressivem Verhalten. Es kann natürlich sein, dass er das auch schon früher mal hatte und es sich eben durch das neue zu Hause und die anfänglich starke Fokussierung auf den Hund und damit verbundene Aufmerksamkeit nicht gezeigt hat.
Verhalten ändern mit geistiger Auslastung
Der erste Schritt ist ab sofort, dass er jedes Mal wenn er wieder leckt ohne einen Ton die Halskrause rumbekommt und nachts auch solange damit schlafen muss, bis eine Besserung eintritt, die Krause wird dann auch Schritt für Schritt gekürzt, denn Lucky soll die Halskrause ja nicht ewig tragen. Um die Besserung zu erreichen, müssen Nebenmaßnahmen getroffen werden, damit wir das Verhalten positiv umlenken. Das bedeutet im Klartext: Den Hund nur in äußersten Notfällen zum Freund oder zu den Eltern. In seinem Fall wäre es wahrscheinlich am besten nur zu einer dieser zwei Möglichkeiten. Nicht zu vergessen ist aber die geistige Auslastung. Ich möchte noch erwähnen, dass Lucky einen schweren Hüftschaden hat und somit körperlich kaum ausgelastet werden kann. Somit lautet die Devise, Denksport wie z.B. Suchspiele und Konzentrationsübungen. Das hat die Kundin leider ein wenig schleifen lassen, denn besprochen und anfänglich auch motiviert durchgeführt war das schon.
Wie aber jeder von uns weiß, frisst uns der Alltag manchmal auf und unsere Hunde kommen zu kurz. Wir sollten daher umso mehr darauf achten, dass wir jeden Tag für geistige Auslastung sorgen müssen. Das können 3×2 min. pro Tag Futtersuchspiel sein. Das ist für jeden machbar und für den Hund ist es wirklich wichtig.
Juli 27th, 2009